(Deutsch) Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration in München

In diesem Artikel möchte ich kurz meine Erfahrungen während meiner Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration mitteilen.

Berufsbild

Nähere Informationen zum Berufsbild (=was macht man eigentlich so als Fachinformatiker) findet ihr unter den Links am Ende des Posts. Generell kommt es stark drauf an, was für ein Ziel ihr habt und in welcher Firma ihr die Ausbildung macht, bzw. später arbeitet. In der Ausbildung werden die Grundlagen gelegt, das eigentliche Wissen muss sich jedoch jeder selbst aufbauen. Wer ein Rundum-zurücklehn-wohlfühl-Programm sucht ist mit diesem Beruf sicher falsch bedient oder wird bald frustriert sein.

Voraussetzungen

Berufsschule

Die Ausbildung ist so ausgelegt, dass man in der Berufsschule ALLES von der Pike auf beigebracht wird und zwar in einem sehr gemächlichen Tempo. Das wichtigste ist deshalb eigentlich die Motivation und die Bereitschaft im Unterricht aufzupassen oder zumindest zu erscheinen, schon damit haben genügend Leute Probleme. Dann sollte die Berufsschule auch ohne große Vorkenntnisse zu schaffen sein.

Firma

Hier sind die Voraussetzungen grundverschieden. Während man bei der einen Firma als “professioneller” PC-Träger und Windows-Install-CD-Wechsler beschäftigt wird, darf man bei anderen Firmen schnell ans Linux-Live-System und bekommt eigenständige Aufgaben. Generell ist die Betreuung bei großen Firmen meist strukturierter und “schulähnlicher”. Wem diese Lernform liegt und wer sich eher nicht traut von sich aus loszulegen (weil wenig Vorwissen) sollte sich eher so eine Firma suchen. Ich hatte das Glück meine Ausbildung bei einer etwas kleineren Firma zu machen. Dort war die Ausbildung zwar gelinde gesagt schlecht organisiert, aber dafür wurden mir schnell eigene Projekte übertragen, sobald ich gezeigt hatte, dass ich Ahnung von der Materie habe. Also für Leute mit viel Vorwissen ist sowas auch sehr motivierend. Für mich war der Ausbildungsteil in der Firma wesentlich befriedigender und wichtiger als die Berufsschule. Ich kann daher nur jedem empfehlen sich seine Ausbildungsfirma gut auszusuchen. Also vielleicht nicht bei der erstbesten Stelle bewerben, sondern zunächst bei den vom Themengebiet für einen selbst interessanten Firmen.

Qualität der Ausbildung

Schule

Die Berufsschule München ist technisch gut ausgestattet, leider gibt es einige grundsätzliche und einige hausgemachte Probleme. Ich war 20 als ich die Ausbildung begonnen habe und hatte bereits 13 Jahre Schule hinter mir. Mein Vorwissen in Java war leidlich und ich hatte auch schonmal in anderen Sprachen programmiert außerdem war ich in Linux relativ fit und hatte ein gutes allgemeines PC-Vorwissen (Nickles Büchern sei Dank 😉 ). Wer mit ähnlichen Voraussetzungen in die Ausbildung startet wird sich in der Schule rein inhaltlich vor allem in den ersten Jahren ziemlich langweilen. Das Tempo ist gemächlich und das Klassenklima ist oft laut, was natürlich auch nicht unbedingt zur Beschleunigung beiträgt. Trotzdem ist es ganz schön sich immer wieder mit den anderen Klassenkameraden zu treffen und auszutauschen. Gegen Ende des zweiten Schuljahrs und im dritten Schuljahr wird der Stoff dann langsam interessanter. Was auch teilweise frustrierend ist: das erschreckend geringe Fachwissen der Lehrer. Beim Großteil der Lehrer hat man das Gefühl sie wissen genau soviel wie sie wissen müssen, haben sich aber eigentlich nie so richtig mit der Materie auseinander gesetzt. Das frustriert auch viele Schüler, da dadurch oft sehr strenge Vorgaben bei den Übungsaufgaben (z.B. gerade beim Programmieren) herrschen. Das muss man einfach als Methode zur leichteren Korrektur akzeptieren und sollte sich keine großen Gedanken darüber machen.

Firma

Wie schon weiter oben geschrieben unterscheidet sich das von Firma zu Firma sehr extrem. In manchen Firmen wird man als Trage-Muli missbraucht und lernt so gut wie nichts dazu, in anderen Firmen bekommt man sofort ein eignes Projekt und muss sich dann per google mehr oder weniger selbst ausbilden (was durchaus auch ein Vorteil sein kann), in wieder anderen Firmen läuft die Ausbildung dagegen sehr strukturiert ab (was auch ein Nachteil sein kann). Generell würde ich mal sagen:
– macht die Firma Support für große Unternehmen und setzt Windows ein? -> Mit etwas Glück reichts zu Active Directory und Automatisierung, mit Pech wird es dann doch eher PC’s schleppen
– kleinere Firma die Linux einsetzt? -> bei kleinen Firmen ist es oft so, dass sie jeden Mann brauchen. Die Ausbildungsbetreuung ist oft schlecht. Hat man allerdings schon Ahnung darf man oft nach einer kurzen Einarbeitungszeit richtig loslegen und lernt sehr viel, allein durch die Praxiserfahrung. Ideal für doityourself-Lerner und Linux-Freaks.
– größere Firmen wie z.B. die Telekom -> hier ist die Ausbildung oft gut strukturiert und betreut. Allerdings habe ich gehört, dass sehr viele Präsentationen gehalten werden müssen und man eher selten bis garnicht ein Live-System vor die Finger kriegt. Die Ausbildung ist etwas schulischer gehalten.

Was lernt man eigentlich?

Schule

In der Schule lernt man generell nur die Grundlagen und schnuppert in viele Themengebiete hinein, das klappt aber relativ gut und man bekommt einen Überblick. Vertiefen muss man das ganze dann selbst noch.

  • Linux-Grundlagen: man, ls, mount, cd, etc. also alles um sich zumindest ein bisschen auf einer Linuxkiste zurecht zu finden
  • Windows Active Directory: Ein kleines AD-Netzwerk mit 4 Clients aufsetzen. Alles ganz Basic, aber ein guter Einstieg für Leute die sowas noch nie gemacht haben (wie ich z.B.)
  • Elektrotechnische Grundlagen: Wie werden die Daten im Kabel übertragen, Multiplexing, etc. man erfährt einiges interessantes Grundwissen
  • Wirtschaft: Kostenkalkulation, Marketing, etc. das volle Programm
  • Allgemeines IT-Wissen: Mainboard, SCSI, wie ist ein Prozessor aufgebaut, CD-ROM, etc.
  • Allgemeine Kenntnisse: Aufbau einer einfachen HTML-Seite, Organisation von Projekten
  • IT-Sicherheit: Sniffen, iptables, etc.

Firma

Kommt ganz drauf an wo man ist und wie man sich anstellt. Generell: je mehr man kann/macht, desto mehr lernt man. Mir wurde eigentlich nichts konkret beigebracht in dem von Schülern gewohnten Sinn (Vortrag von einem Lehrer/Ausbilder). Stattdessen bekam ich eine Aufgabe, bzw. es gab ein zu lösendes Problem. Wie ich das dann anpackte und wo ich die Informationen hernahm, war dem Betrieb relativ egal. Es musste am Schluss halt einfach funktionieren. Wenn ich mal nicht mehr weiter wusste konnte ich aber immer auch meine Kollegen fragen. Hier ein Tipp gerade an Auszubildende: Bitte immer erstmal selbst versuchen und erst an den Ausbilder/Kollegen wenden, wenn garnichts mehr weiter geht. Als Ausgelernter/Ausbilder nervt es furchtbar Fragen zu beantworten, die der Azubi sich auch in 10 Sekunden selbst per google beantworten hätte können. Eine Frage reisst nämlich immer aus dem aktuellen Arbeitsfluss heraus, egal wie einfach und schnell sie zu beantworten ist.

Tipps

!!! Wichtig: Verkürzen der Ausbildung auf 2 Jahre !!!

Dies ist ein wichtiger Punkt auf den teilweise vom Betrieb/von der Schule nicht hingewiesen wird. Normalerweise dauert die Ausbildung 3 Jahre lang. Als Umschüler oder Abiturient kann man gleich von Anfang die Ausbildung in 2 Jahren durchziehen. Man kommt dann in extra Verkürzer-Klassen, die den Stoff etwas zügiger behandeln und in denen auch das Durchschnitts-Alter höher ist. Man hat dann als z.B. 30 jähriger Umschüler nicht den nervigen Zustand mit 17 jährigen in einer Klasse zu sein. Oft ist es auch später möglich auf Grund guter Leistungen zu verkürzen. Ich kann das jedem nur empfehlen, der wirklich das Wissen und die Leistung hat, da die Schule für gute Schüler meist recht frustrierend, weil langsam, ist. Zum Verkürzen noch ein Tipp: Immer mehrere Quellen/Personen befragen. Oft sagt der eine: Verkürzen ist auf keinen Fall möglich und der andere kennt eine Möglichkeit/Lücke wie man es dann doch noch hinkriegt.

Befreiung vom Deutschunterricht, Religionsunterricht

Dies betrifft oft eher die Leute, die mitten im Jahr eine Ausbildung beginnen. Als Abiturient oder mit abgeschlossener Berufsausbildung muss man den Deutschunterricht nicht mehr besuchen. Man muss sich allerdings formell davon abmelden (Formular gibts beim Deutschlehrer). Das gleiche gilt für den Religionsunterricht. Allerdings muss man statt Religion trotzdem einen sogenannten “Pluskurs” besuchen. Eine Art Beschäftigungstherapie (Filme schauen, diskutieren), deren Sinn mir bis heute nicht einleuchtet. Deutsch ist komplett frei.

Klassenliste

Es bietet sich an eine Klassenliste mit e-mail-Adressen/evtl. Telefonnummern anzulegen. So kann bei Fehlstunden schnell die gesamte Klasse informiert werden. So kann der Klassensprecher am Abend noch informieren, dass am nächsten Tag die ersten 3 Stunden frei sind oder ähnliches.

Wenn man was von Lehrern/Schule/Betrieb/IHK will: dranbleiben

Wer erwartet, dass der Betrieb, die Schule oder die Lehrer um die Einhaltung z.B. von Verkürzungsfristen etc. bemühen, der irrt sich. Wer was will muss sich schon früh informieren und selbst darum kümmern. Oft muss man die Informationen den Lehrern buchstäblich aus der Nase ziehen, bzw. sich von einem zum anderen durchfragen. Also wenn man was gehört hat (sei es über Verkürzungsregelungen, etc.) und von der ersten Person abgewimmelt wird immer noch jemand anderes fragen, bzw. an anderer Stelle informieren.

Bewerbung

Wir erhalten immer wieder Bewerbungen, in denen als Kenntnisse so Sachen wie “Computerkenntnisse” oder “Windows, Office” angegeben sind. Das ist so ungenau und allgemein, dass man sich mit solchen Angaben gleich disqualifiziert. Falls Vorkenntnisse vorhanden sind: Bitte konkret nennen (ohne zu schwadronieren und ewige Listen zu verfassen). Falls nicht: Unbedingt aneignen, vor der Bewerbung. z.B. in der Freizeit während des letzten Schuljahres, etc.. Ganz ohne Vorkenntnisse oder zumindest ein gut begründetes Interesse, sollte man sich fragen ob der Beruf überhaupt das richtige für einen ist.

Gehalt

Es gibt wohl wenig nebulösere Sachen als das zu erwartende Gehalt. Oft findet man nur sehr unkonkrete Aussagen dazu und teils werden die Leute in Foren mit niedrigen/hohen Gehaltserwartungen regelrecht nieder gebasht. Naturgemäß unterscheiden sich die Gehälter je nach Arbeitgeber drastisch. In vielen Gesprächen und langer Internet-Recherche habe ich meiner Meinung nach folgende realistische Werte gefunden.

Wichtig, diese Werte gelten für München und sind auch nur meine persönliche Einschätzung. Regional gibt es da oft starke Unterschiede.

Ausbildung (Stand 2007)

Alle angegebenen Werte sind Brutto-Werte. Etwaige Vergünstigungen durch Fahrtkosten-Zuschuss, etc. sind nicht eingerechnet. Meist sind die Gehälter progressiv, so dass man pro Ausbildungsjahr ca. 50€ mehr erhält. Also wenn man mit 500 € beginnt hört man mit 600€ im dritten Lehrjahr auf. Folgende Werte sind Einstiegswerte. Eine Progression von 50-70 € sollte man erwarten. Oft kann man auch mit dem Arbeitgeber über einen Fahrkostenzuschuss verhandeln. z.B. MVV-Monatskarten werden teilweise übernommen.

  • wenig – unter 480 Euro pro Monat
  • Durchschnitt – 480 bis 550 Euro pro Monat
  • viel – über 550 Euro pro Monat

Einstiegsgehalt (Stand 2009)

Alle angegebenen Werte sind Brutto-Werte. Etwaige Vergünstigungen durch Fahrtkosten-Zuschuss, etc. sind nicht eingerechnet.

  • wenig – unter 2000 Euro pro Monat
  • Durchschnitt – 2000 bis 2600 Euro pro Monat
  • viel – über 2600 Euro pro Monat

Linksammlung

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Comments (5)

BeniJanuary 16th, 2010 at %I:%M %p

WOW! Vielen Dank an den Verfassers des Textes. (Bin durch Google auf diese Seite gestoßen). Das waren sehr nützliche Informationen für mein Vorstellungsgespräch bei der Allianz AG!

[…] kannst du gerne mich anschreiben oder dir auch diesen Blogbeitrag meines Freundes durchlesen: https://iniy.org/?p=136 Viele Teile der Ausbildung habe ich hier bewusst weg gelassen, da Jonas in seinem Blog bereits […]

TheRealDecember 8th, 2011 at %I:%M %p

Hallo!

Du sprichst mir einfach aus dem Herzen, vorallem wo es um das Wissen der Lehrer geht.

Wir sitzen hier in einer Berufsschule wo wir im 3ten Lehrjahr lernen, mit Access 2000 und SQL Datenbanken zu erstellen. DAS KOMPLETTE 3 Lehrjahr!

Die Schule ist ein Uralter Bau, wo die Fenster nichtmal richtig isoliert sind, die Klasse ist permanent laut und ich bin einfach nur unterfordert – und unmotiviert. Weil der Unterricht einfach uninteressant ist.

Hast du Tipps für mich, was man da machen könnte?

Viele Grüße

TheReal

adminDecember 15th, 2011 at %I:%M %p

Hallo TheReal,

falls eine Verkürzung der Ausbildung (siehe Text) für dich nicht in Frage kommt bleibt da wohl nur in den sauren Apfel zu beißen und die Zeit “abzustottern”.
Um die DB-Grundlagen zu lernen ist es eigentlich egal welche DB man nimmt, also da würde ich mir nicht so groß Gedanken machen. Klar ist es frustrierend, wenn man schonmal mit MySQL oder Oracle was gemacht hat und dann wieder den gefühlten Rückschritt zu Access geht. Andererseits ist Access gelegentlich ganz praktisch wenn man bei Kunden ein paar Auswertungen machen muss, o.ä. .
Also insgesamt hab ich versucht in der Ausbildung die Dinge mitzunehmen, die ich noch nicht wusste. Da gibts einiges was man als “selbstverständlich” betrachtet hat und dann die Hintergründe noch dazu lernt, bzw. Themen vertiefen kann.

Bei uns war die Klasse auch sehr laut und die Lehrer nicht in der Lage sich zu behaupten. Doch selbst mit leiser Klasse hätte es nicht großartig mehr Spass gemacht. Dazu war der Inhalt/das Wissen der Lehrer einfach zu knapp.

Ich habe die Berufsschulzeit zur Entspannung genutzt und es war immer nett mich mit meinen Klassenkameraden auszutauschen. Gibt ja doch so einige Dinge im Azubi-Leben die man gerne mal mit Leidensgenossen bespricht.

Ansonsten hab ich mich einfach mit Dingen beschäftigt die mich interessiert haben. Wenn für die Aufgabe 5 Std. Zeit ist u. ich 2 Std. brauche. Gut dann hab ich halt noch 3 Std. Zeit zum Linux-Magazin lesen, oder eigene Programmierprobleme zu lösen, die mich gerade interessieren.

Was die Fenster u. das Gebäude betrifft. Gut da kann man mal was bei der Schulleitung sagen, nur das wird sich für dich nicht mehr ändern. Denke aber dein Problem ist eher die Frustration und der Rest kommt halt noch oben drauf.

Das letzte halbe Jahr macht man dann fast nur noch Prüfungsvorbereitung (hab ich verpasst wg. Verkürzung). Präsentationen, etc.

Also nimm einfach soviel mit wie geht und mach dir über den Rest nicht soviele Gedanken. Das meiste lernt man beim Arbeiten und die paar Tage “vergeudete” Zeit (Entspannung!) Schule werden da nichts dran ändern.

Denke die Ausbildung ist als Abschluss trotzdem wichtig, da hier so eine Art Mindest-Level an Wissen garantiert ist, den du als Azubi hast. Genauso wie im Studium heißt das aber noch überhaupt nicht wie gut du bist oder wieviel du verdienen wirst.

Übrigens: ich wurde von meiner Ausbildungsfirma übernommen u. habe dort 9 Monate weitergearbeitet. Seit dem war ich bei zwei anderen Firmen. Keine einzige hat sich für mein Ausbildungszeugnis interessiert. Es kam drauf an, was ich konnte und wie ich das im Vorstellungsgespräch gezeigt habe.

Hoffe ich konnte dir etwas helfen das ganze nicht so grau zu sehen und wünsche dir noch eine schöne Zeit. Kommt immer drauf an was man draus macht 🙂

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